Von weißen Rüsseln

Weiße Rüssel retten Leben

Den Gang entlang trotten langsam gebeugte Gestalten.

Ihnen voraus ihr weißer Rüssel. Er baumelt von links nach rechts. Stumm. Keine Geräusche. Nur das Schlurfen auf dem hellen Linoliumboden.

Die Blicke gebeugt. Mancher Blick geht bei meinem Vorbeigehen nach oben:

Schüchternes, verschämtes Lächeln. Hübsch muss sie früher gewesen sein. Kleine Falten sprechen von frohen Stunden. Jetzt verbergen weiße Pflaster ihr Gesicht und halten den weißen Schlauch. Ich lächele aufmunternd zurück.

Ich halte kurz inne. Es herrscht wieder Stille. Das Schlurfen ist um die Ecke verhallt.

Von weitem höre ich Stimmen. Leise, gedämpft. Man spricht hier nicht laut. Manche sprechen gar nicht. Nicht mehr.

Langsam biege ich um die Ecke in das bitter vertraute Zimmer. Die Wände sind weiß. Der Ausblick auf den Dom aus dem 13. Stock durch zwei Fensterfronten verschwommen.

Es piept gleichmäßig. Gleichmäßig ist gut. Am Infusionsständer hängt Nahrung. 750 Kalorien.

Tropfen. Für. Tropfen.

Der Rüssel rettet Dir heute wieder das Leben.

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