Das Nischenfrettchen geht voran

Heute trage ich ein Strahlen im Gesicht. Innerlich hüpfe ich wie eine Fünfjährige während ich mein Rad durch den strömenden Regen fahre. Um meinen Hals hängt ein kleines unscheinbares Schild. „Green Institute Limited. OBSERVER“. Auf dem Band um meinen Hals steht in weißer feiner Schrift auf blauem Stoff: UNFCCC. Mein Traum wird wahr. Es geht voran. ICH gehe voran.

Lange blieb das Nischenfrettchen still und mein Blog hier stumm. Jetzt soll ich einen Entwicklungsbericht zum Abschluss meiner Weiterbildung schreiben. Der kommt mir gerade recht. Ich vergesse also mal direkt das technische Element des geforderten Berichts und lasse meine Gedanken über das vergangene Jahr schweifen. Mit ein bisschen Glück entdecke ich, dass ich mich entwickelt habe.

Wo stehe ich jetzt überhaupt? Und wo war ich vor einem Jahr?

Heute bin ich beschwingt und müde dank der ultraintensiven Vorbereitungszeit zur Weltklimakonferenz und einem fantastischen Auftaktwochenende. Über Wochen habe ich mir die Nächte um die Ohren geschlagen mit Ideen (darunter einigen Schnapsideen), Planungen, verworfenen Konzepten, genervt-solidarischen Whatsapp-Chats mit der Besten, die Mittagspause für Mails und Telefonate genutzt, abends Projekttreffen veranstaltet bis zum brain tilt und versucht, die Ebenen von Bonn bis Globus miteinander in Einklang zu bringen. Dann der erste Empfang: ein großes Hallo und Bonjour, viele glückliche Gesichter. Der zweite Empfang: belgisch-deutsche Solidarität zum Kohleausstieg. Große Kohle-Demo: 22.000 Menschen demonstrieren für erneuerbare Energien. Die grüne Botschaft ist in der Gesellschaft, auf der Straße angekommen. Wir sind selig. Abends der nächste Empfang: alle sind glücklich und feiern in die zwei Wochen Klimakonferenz rein. Und ICH habe all das möglich gemacht!! Was für ein Gefühl, das war groß! Ach und vorher war noch Bundestagswahlkampf. Und davor Landtagswahlkampf. Und davor…

In den letzten 12 Monaten ist mein Herz gebrochen.

Damit könnte ich schon aufhören. Denn das ist das was von diesem Jahr übrig bleibt. Grünes Herzblut und gebrochenes Herz. Viel Herz. Kenne ich von mir sonst so kognitiven Tante gar nicht. Hat sich also vielleicht tatsächlich etwas bei mir getan? Hat sich das Herz neben dem Kopf seinen Platz errungen, für andere sichtbar zu sein?

Gut, die PZA-Weiterbildung habe ich natürlich gemacht. Und da habe ich mich in personzentrierter Haltung geübt und wahrscheinlich unbewusst mehr gelernt als ich gerade aktiv abrufen kann. Sehe ich mich heute mit Fragen des menschlichen Miteinanders konfrontiert, bin ich weniger verwirrt. Das ist bestimmt gut. Es ist doch schön, zum Beispiel um die vier menschlichen Grundbedürfnisse, die die psychischen Abläufe und das Befinden eines Menschen bestimmen zu wissen. Wer kennt sie nicht, die teils widerstreitenden, teils sich ergänzenden Bedürfnisse nach Orientierung und Kontrolle; nach Lustgewinn und Unlustvermeidung; ein starkes Bindungsbedürfnis; das Bedürfnis nach Selbstwerterhöhung.

Sicherlich haben meine Erfahrungen an den Seminarwochenenden mich auch in Selbstachtung gestärkt. Wie gut zu lernen, wie ich fürsorgliche und sichere Umfelder eher erkenne – diese bewusst aufsuche, pflege, genieße. Wie gut zu lernen, dass Anpassung nicht der Weg ist, Gruppenzugehörigkeit zu erfahren. Wie gut vielmehr, mich selbst wahrzunehmen und mich selbst achtsam zu behandeln und damit ein Gleichgewicht zwischen Autonomie und Anpassung zu lernen. Die Zauber vom „Aktivem Zuhören“, „Beziehung als Methode“, „Konfliktmoderation“ und von Vorgehensweisen zur Klärungshilfe anhand des Modells von Schulz von Thun wären mir außerdem in ihrer Theorienahen Anwendung verborgen geblieben. Und dabei lerne ich doch so gerne.

***

Nun lasse ich auch Dinge hinter mir. Verhalten, das mir lange treue Dienste geleistet hat, das ich nach wie vor liebe, es heimlich zu pflegen. Meine Kompensations- und Anpassungsstrategien wie Flucht in Fantasien sind zu Elementen geworden, die ich nutzen kann, wenn ich es möchte. Sie sind nicht mehr mein Rückzug, wenn ich denke, dass ich mich in der Außenwelt, die Welt der Anderen, eurer Welt, zum Idioten machen würde. Nicht, weil ich ein Idiot bin, sondern weil ihr mich so fühlen macht.

Ich finde mich heute deutlich netter. Meine sozialen Fähigkeiten von innen heraus zu untersuchen, warum ich in Gesprächen entweder meinen Gesprächspartnern Lichtjahre voraus bin oder einem Gespräch hoffnungslos hinterher hinke, war recht aufschlussreich. Aber seid gewarnt: mein Geduldsfaden ist deswegen nicht länger geworden 😉

Stark macht mich häufig eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber anderen, die mich in gewissem Grad immun gegen das Bedürfnis nach sozialer Bindung macht. Ich bin autark und doch suche ich Nähe von Menschen. Das muss sich nicht wiedersprechen. Ich muss mich nicht entscheiden. Beides ist gut. Viele Menschen brauche ich nicht. Ich weiß nicht mit ihnen umzugehen, sie einzuordnen oder gar zu ignorieren. Andere wiederum… ohne die geht es kaum. Aber ist das überhaupt so besonders?

Zu mir gehört, so fühlt es sich an, wohl immer die Dialektik zwischen aufdringlich und dominant oder zurückgezogen und allein dastehend. Das ist anstrengend. Nur diese Dialektik bekämpfen lohnt sich nicht, denn ich würde mich selbst bekämpfen. Sicherlich bin ich ein empathischer Mensch. Dennoch fällt es schwer Hinweise, mit denen Gedanken oder Gefühle anderer angezeigt werden zu erkennen oder so zu verstehen wie es andere vermögen. Und es fällt mir schwer einzuschätzen, wer mir wohlgesonnen ist. Wer nur so tut. Insofern besteht wohl meine Entwicklung eher darin, mich in mehr Neutralität zu üben und die Sache mit dem Vertrauen in andere Menschen als stetes und selbstverständliches „Obacht!“ mit mir zu führen.

***

Meine Zukunft ist nicht die Beratung. Das wundert niemanden, der mich kennt. Meine Zukunft ist wirksam zu sein. Wirksam in einem Rahmen, in dem mein innerster Antrieb zur Geltung kommt, die Welt zu retten. Nur ich selbst kann mich daran hindern. Was ich in der Politik durch Beobachten lerne über die Entstehung und Irrationalität von Konflikten, hat die Weiterbildung mir auf anderem Erfahrungswege nahe gebracht.

Nein, mein „Entwicklungsbericht“ ist sicher nicht die gefühlsseitige retrospektive Exploration meines Inneren. Die bekommt ihr nicht schriftlich. Doch die Prinzipien der personzentrierten Haltung sind ein ewiges Üben. Sie öffnen Tore in menschliche Tiefen, in Seelen, in Gefühlswelten. Im bedingungsfreien Akzeptieren liegt Frieden. Auch Widerstreben. Das habe ich gelernt zu schätzen und zu pflegen und ich hoffe, dass ich diese Haltung soweit in mein Selbst integrieren konnte, dass sie sich stetig weiterentwickeln kann.

Vieles hat diese Weiterbildung von mir verlangt. Abgefordert. Eingefordert. An Nerven gezerrt und am Geduldsfaden erst recht. Ich bin erleichtert, dass die drei Jahre vorüber sind. Was bleibt ist meine Kleingruppe. Ich sage bewusst „meine“ Kleingruppe, denn ich erhebe einen gewissen Anspruch auf unsere Exklusivität. Euch bin ich aus tiefstem Herzen dankbar, dass ihr mich habt erfahren lassen, was es mit der Personzentriertheit eigentlich wirklich auf sich hat. Das hat gesessen. Und es bleibt. Ihr bleibt auch – in mir. Danke.

Advertisements

The future is Green – or not at all

Lieber M.

Es ist eine Weile her, dass wir uns sahen. Ich sagte Dir den letzten Termin ab, denn ich war unterwegs, weg, in einem anderen Land. Es war eine Chance, nicht nur ein Termin. Davon möchte ich erzählen.

Wie Du weißt, liegt mir unsere Welt am Herzen. Unsere Erde, die Natur, Tiere, häufig auch Menschen. Deshalb sind mir Umweltschutz und Klimaschutz wichtig. Deshalb bin ich bei den Grünen. Deshalb war ich im April in Liverpool auf dem Global Greens Congress, einer Art Parteitag auf höchster Ebene. Aus der ganzen Welt kamen rund 2.000 Menschen zusammen, die in den Grünen Parteien oder Vereinigungen ihrer Heimatländer politisch und gesellschaftlich aktiv sind. Es war ein buntes Miteinander, ein aufeinander zugehen, ein sich kennenlernen, ein sich selbst hinterfragen und manchmal besser verstehen. Immer das erhebende Gefühl, da steht noch jemand für dieselbe Sache ein. Wir sind viele. Wir sind überall!

Stell Dir unseren Tagesablauf so vor, dass wir am Tag fünf oder sechs 90 minütige Sessions besucht haben, jeweils unterbrochen von 30 Minuten Kaffeepause oder einer längeren Mittagspause. Stell Dir vor, dass mehrere Sessions parallel stattfinden und Du dich entscheiden musst, mehr über grüne Alternativen zu Militarismus zu erfahren oder von der Unabdingbarkeit der Umsetzung des Pariser Klimaabkommens zu hören. Es war nicht leicht! Das Schema aller Sessions war gleich: 45-60 Minuten Input durch Panelspeakers, danach 30-45 Minuten Diskussion mit den Anwesenden. Es war so intensiv!

In den vier Tagen ist so viel passiert, so viele Begegnungen habe ich erleben dürfen, dass ich Dir gar nicht alles erzählen kann.

  • Da war der Japaner in der Büffetschlange hinter mir, der endlich eine deutsche Grüne fragen konnte, wie wir Angela Merkel zum Atomausstieg gebracht haben. Wir seien seine Vorbilder.
  • Da war der Inder, der mit Händen und Füßen radebrechte, weshalb er die Himalayas retten möchte. Drängender und flehender kann ein Blick nicht sein bei dem bloßen Gedanken an das, was mit den Menschen entlang des Ganges passieren könnte, wenn dessen Wasserquelle versiegt.
  • Da war Anne-Marie Bhirabake aus Burundi. Sie erzählte von der harschen Realität in ihrer Heimat, wo Menschen ausgestoßen werden, ermordet und eingekerkert für ihre politische Meinung. Sie erzählte, wie schwierig es in Burundi ist über Demokratie auch nur zu reden. Die Menschen leben in Angst und extremer Armut. Sprachlos machte mich auch John aus Ruanda mit seiner Geschichte von Verfolgung und Bedrohung. Er setzt sich für Naturschutz und soziale Gerechtigkeit in seiner Heimat ein. Er hat nichts verbrochen.
  • Da war Peter aus Bristol, der von Politik nichts versteht, kein Verhältniswahlrecht kennt, aber nach dem Brexit Referendum bei der Green Party of England and Wales (GPEW) eingetreten ist, weil er eine diffuse Bedrohung seiner Freiheit spürt.

Ja, der Brexit war häufig Thema.

Do EU still love me?

So hieß also auch eine der unzähligen Sessions in einem der Hörsäle, zu der rund hundert Teilnehmer*innen gekommen waren. Diese Session hat mich sehr berührt. Für England habe ich ein großes Faible. Spätestens seit ich mit 11 das erste Mal dort in eine Summer School ging und in einer Gastfamilie eine neue Welt entdeckte. Ich mag die Menschen, die Kultur, ihre Frühstücksgewohnheiten, den niedlichen und friedlichen Patriotismus, die Nostalgie für längst vergangene Tage, die dünne Ironie, die Kruppstahl zum Bersten bringen kann. Wie schlimm der Brexit wird, können wir uns kaum ausmalen. Wohl aber spüren die Menschen in England, dass ein weiteres historisches Ereignis an dem Gerüst des einst weltumspannenden Königreichs und damit an ihrer Identität rüttelt.

18:30 Das Podium beginnt. Molly Scott Cato, die Grüne MdEP für South West England beginnt mit ihrer Frage, wie der Brexit unser commitment an die direkte Demokratie beeinflusst. Schlüssel dafür ist natürlich eine freie Presse. Doch wann ist Presse eigentlich frei? Sie vertritt die Meinung, dass die Menschen in Großbritannien vielmehr mit einer stark eingeschränkten Presse leben müssen.

Molly ruft ihre Grünen auf, sich die positiven Auswirkungen des Brexit zunutze zu machen. Dinge wie faire Handelsabkommen zu fordern, die vorher nicht zur Disposition standen, oder sich mit der Energie junger Menschen zu rüsten, die sich zum ersten Mal politisch engagieren. Sie endet mit einem trotzigen

“I do believe the decision can be reversed.”

19:00 Philippe Lamberts ist ebenfalls Grüner MdEP. Er teilt seinen Standpunkt mit, dass die EU zusammengehört:

“If I look at some of the challenges that face humanity on this tiny confetti of land: climate change, refugees, Putin, Trump, terrorism: these are our challenges. Do we really want to face these challenges on our own?”

Wir sitzen alle im selben Boot. Die Atmosphäre im Raum wird intensiver. Emotional. Schwermütig. Trotzig. Unruhig bei der Vermutung, dass der Brexit, in welcher Form auch immer, unvermeidbar sei.

19:30 Ross Greer, Schottlands jüngstes Parlamentsmitglied, tobt über die Ablehnung Großbritanniens, Schottland ein eigenes Unabhängigkeits­referendum zuzugestehen:

“For a UK Prime Minister to write to the European Union about the British people’s right to self-determination on the same day as she denies the Scottish theirs is utterly unacceptable.”

19:45 Christine Milne, Gründerin der australischen grünen Partei, rührt zu Tränen. Sie erinnert an das große Friedensprojekt Europa, in dem Freizügigkeit, Demokratie, gleiche Rechte, individuelle Freiheiten wie gesellschaftliche Freiheiten die Grundrechte ihrer Bürger sein sollen. Europa ist unsere Chance auf Frieden. Die Chance unserer Kinder auf Frieden. Europa ist ein Versprechen für uns und kommende Generationen, aufeinander Acht zu geben. Miteinander achtsam umzugehen.

„Europe was the peace project of post World War II, it is tragic to see the far-right tear that down. That’s not to say the EU doesn’t have problems, but the unity of our nations, the ability to move freely, these things are important.”

Eine emotionale Diskussion entbrennt. Manche Stimme bricht bei der Erzählung, welches persönliche Schicksal der Brexit heraufbeschwören könnte. Wut wird geäußert. Enttäuschung. Kampfeslust, sich nicht unterkriegen zu lassen. Ich sitze mittendrin und habe einen Kloß im Hals. Diesen Menschen hier geht ein demokratisches Ergebnis direkt an die Substanz, ans Leben.

Dann ist die Zeit um. Nach den Dankesworten der Panelspeaker hängt Schweigen im Raum. Langsam fangen wir an zu klatschen, während wir bedrückt unsere Sitznachbarn links und rechts umarmen.

Lieber M.

Aus Liverpool bin ich voller innerer Überzeugung nach Hause gekommen, dass grüne Politik die Welt zum besseren verändern kann.

Für mich ist der Preis nicht hoch, meine Haltung nach außen zu tragen und anderen Menschen zu zeigen, warum ich an eine bessere Welt und eine Rettung von Natur und Umwelt glaube. Meine Stimme zählt und meine Stimme kann ich laut klingen lassen. Ich verstehe dies als ein Privileg, das jedermanns Freiheit und Selbstverständnis sollte. Uns ist hierzulande allen die Freiheit gegeben für eine nachhaltige, gerechte und menschengerechte Welt zu sprechen – unabhängig davon, in welcher (politischen) Nuance wir uns diese wünschen.

Aber unsere Stimme zählt! Deine Stimme zählt!

The future is green – or not at all.

Deine A.

Is this the real life

Easter weekend. No obligations.

Bed time.
Book time.
Raclette time.

I crave you hugging me.

Supporting Greens for fun and for my friends. Not thinking about the things that bug me.

Revelling in my activist mode.
Get up, stand up, speak up!

I help friends and feel joyful.

The sun is shining and a dachshund is sitting next to me on the train. His ears are so fluffy.

Happy Easter.

The non-plan

Giving somebody time isn’t always exactly a plan. Rather it is a non-plan that relieves us from the hassle of getting back to our feet when we have just lazily snuggled up in a hole.

I won’t receive the answer I’ve been hoping for. There goes this path of life. 

But because I kind of enjoy my integrity and ego being intact… I swap the non-plan to a plan.

Let’s see what exactly that could be. Maybe, if I’m lucky, it might come with a mini dachshund. 

And a doxie for me, please

So. Here I go again. Back in control over my life. Or so I’d like to think while sloppily drinking wine on my couch and netflix plays some wildlife documentary. It’s time to get my act together and move forward. Deal with more important things than sadness. Saving the world for instance. Nothing less. Starting with giving a mini dachshund a new home. 

💕🐕

Ooooooohhh, yes I want one. A puppy. Badly. And yes, I gleefully ignore the underlying psychological interpretive motive that jumps even at me… 🙃

It’d be soooo lovely and cutie and funny to have a little doxie here, wagging its teeny tiny tail about!! We’d watch netflix together, play ball in the garden, explore the surrounding parks and play tricky games with treats.

Only thing is, what do I do with my job? Need more wine to contemplate the intricate aftermath of getting a dog. 

So much for having control over my life.

Never is an awfully long time. – Eine Fantasie

Wieder ein Blick ins Postfach. Keine Mail von dir.

Es ist 23:04.
Ob du in dem Buch liest?

Es ist eine Nacht mit wenig Schlaf. Dafür mit Tränen. Ich male mir unser Wiedersehen aus. Noch mehr Tränen. Dann Lachen. Weil wir ja wissen, dass wir zusammen gehören.

23:47. Leerer Posteingang.

Ich lese das Buch sehr langsam. Seite für Seite. Ich suche nach Erklärungen. Nach einer Logik, die ich begreifen kann. Nach einem Code, mit dem wir wieder ganz werden können. Es gibt ihn nicht.

23:48. Immer noch keine Antwort.

Es fühlt sich gut an, dass du meinen Tipp annimmst. Erkennst du auch Gefühle von dir wieder? In welchem der beschriebenen Typen erkennst du dich?

0:12. Immer noch keine Mail. Vielleicht fühlst du dich von meinen Gedanken an dich unter Druck gesetzt. Mein Hirn schlägt neue Kapriolen des Irrsinns.

Backflash. Es ist Winter. Du bist allein. Du brauchst Hilfe. Wir dirigieren dich am Telefon in den nächsten Zug. Du bist hier. Du heilst. Eine Fantasie.

Immer wieder der Wunsch, dich retten zu können.

0:32. Gähnende Leere im Postfach.

Rette dich selbst. Ich kann es nicht. Will es nicht. Habe mit mir zu tun.

1:07. Kein Wort von dir. Mein Herz wird schwer.

Meine Jahresplanung ist toll. Ich erkenne mich als wichtigsten, integralen Bestandteil meines eigenen Lebens. Wie neu! Es geht um mich. Nur um mich! Um Urlaub. Um Freunde. Um Bücher. Um Musik. Mein Leben. Mein Körper. Meine Zeit.

1:58. Du fehlst.
Ich reiße mich zusammen und verschiebe das Checken meiner Mails um eine Minute.

1:59. …

Zwischenzeitlich habe ich dich aus der Depression gerettet. Alles erzählt. Gebeichtet. Widersprochen. Zugehört. Wahrgenommen. Gelacht. Die Tabletten sind im Klo herunter gespült und wir haben Pizza bestellt. Wir lümmeln und schmatzen gemütlich im Bett. Schulter an Schulter. Die Beine in einander verschlungen. Keine Zeit, kein Ort sind wichtig. So fühlt sich zu Hause an.

2:47. Forget them, Wendy. Forget them all. Come with me where you’ll never, never have to worry about grown up things again.

Never is an awfully long time.